Aktualität ist ein überaus wichtiges "Gut" unserer Zeit, deswegen erhalten Sie hier kontinuierlich Neuigkeiten aus unserer Kanzlei sowie zu neuen Rechtsbeschlüssen.

30.Oktober 2017

Abfindungen für den Verlust des Arbeitsplatzes sind seit 2006 in vollem Umfang steuerpflichtiger Arbeitslohn

Eine Abfindung wird nicht regelmäßig gezahlt, sondern gehört zu den außerordentlichen Einkünften.
Deshalb kann sie nach der sogenannten Fünftelungsmethode besteuert werden.

Hier ein Überblick über die Fünftelungsregelung:

Die Abfindung wird zunächst durch fünf geteilt. Ein Fünftel wird zum Jahreseinkommen addiert. Sodann wird die Steuer berechnet, die sich auf das Jahreseinkommen ergibt.
Dieser Betrag wird mit dem Betrag verglichen, der sich ohne Abfindung ergeben hätte.
Die Differenz ergibt die steuerliche Mehrbelastung, die zu zahlen wäre, wenn der Arbeitnehmer nur ein Fünftel der Abfindung erhalten hätte.
Die so entstehende steuerliche Mehrbelastung wird sodann mit fünf multipliziert.
Im Endeffekt bedeutet das, dass die relativ günstige Besteuerung, die sich für das Fünftel der Abfindung ergibt, auf die gesamte Abfindung angewendet wird.

Folgendes Beispiel erläutert den Vorgang:

Peter, Single, kinderlos, 55 Jahre alt, verliert einen Job. Er erhält eine Abfindung in Höhe von
EUR 10.000,00.
Sein zu versteuerndes Jahreseinkommen beträgt EUR 26.000,00.

Unter Einbeziehung der Abfindung würde sein zu versteuerndes Einkommen EUR 36.000,00 betragen.

Die Fünftelungsmethode kommt zu folgendem Ergebnis:

Jahreseinkommen                                      EUR 26.000,00
plus ein Fünftel der Abfindung                     EUR   2.000,00
zu versteuerndes Einkommen                     EUR 28.000,00
darauf entfallender Steuerbetrag                  EUR   4.803,00

Sodann errechnet der Finanzbeamte die Steuer für das Jahreseinkommen ohne Abfindung.

zu versteuerndes Einkommen (ohne Abfindung)               EUR 26.000,00
darauf entfallender Steuerbetrag                                     EUR   4.206,00

In einem dritten Schritt bildet der Finanzbeamte die Differenz aus beiden Steuerbeträgen und verfünffacht das Ergebnis

Steuerbetrag mit Abfindung                      EUR 4.803,00
minus Steuerbetrag ohne Abfindung          EUR 4.206,00
Unterschiedsbetrag                                  EUR    597,00
multipliziert mit 5                                     EUR 2.985,00

Peter zahlt also EUR 4.206,00 Einkommensteuer auf seine Jahreseinnahmen zuzüglich EUR 2.985,00 auf die Abfindung, insgesamt also EUR 7.191,00 Einkommensteuer.

Er spart durch die Fünftelungsregelung EUR 183,00 ein.

Das Finanzamt akzeptiert die Fünftelungsregelung allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen.

Es muss beispielsweise zu einer Zusammenballung von Einkünften kommen. D.h., dass der Arbeitnehmer durch Abfindung mehr Geld im Jahr bekommt, als er es bei einer Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses erhalten hätte.

Manchmal kann es sich daher empfehlen, die Abfindung im Folgejahr auszahlen zu lassen.

Achtung:

Der ermäßigte Steuersatz kann nicht angewendet werden, wenn eine Abfindung in zwei Veranlagungs-
zeiträumen ausbezahlt wird.

Die Abfindung hat keinerlei Auswirkung auf das Arbeitslosengeld, wenn ihr Arbeitsverhältnis fristgerecht gekündigt worden ist.

Einigen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf eine Abfindung mit vorzeitigem Ende der Beschäftigung ohne Einhaltung der gesetzlichen Kündigungsfristen, so führt dies zur Anordnung einer 3-monatigen Sperrfrist.
Während dieser Ruhezeit muss dann der Arbeitslose seine Versicherungen selbst zahlen. Die Agentur für Arbeit übernimmt die Beiträge zur Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung in dieser Zeit nicht.

Auf die Abfindung sind auch Kirchensteuern zu zahlen, sofern der Arbeitnehmer Mitglied einer staatlich anerkannten Religionsgemeinschaft ist.

Allerdings gewähren viele Landeskirchen oder Bistümer auf Antrag einen Teilerlass, wenngleich es keinen rechtlichen Anspruch darauf gibt.

Der Arbeitnehmer muss nach Erhalt der Abfindung folglich bei seiner Landeskirche oder seinem Bistum den Teilerlass beantragen.
Beizufügen wäre eine Kopie des Steuerbescheides.
Sodann entscheidet die Landeskirche oder das Bistum nach pflichtgemäßem Ermessen.