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23.August 2017

Ein Auto kann schnell für Tiere zur Hitzefalle werden. Darf man als Passant die Autoscheibe zur Befreiung der Tiere einschlagen?

Es ist bekannt, dass ein Fahrzeug in der Sonne schnell zum Backofen werden kann. Gerade Hunden schlägt die Hitze schnell auf den Kreislauf, da die Tiere im Gegensatz zu Menschen nicht schwitzen können.

Nun sieht ein Passant ein unter der Hitze leidendes Tier im Auto. Da niemand zugegen ist, versucht er sich als Tierretter. Der später hinzutretende Fahrzeugeigentümer sah dies anders. Er verfolgte den Retter und zeigte ihn wegen Sachbeschädigung an und verlangte obendrein Schadenersatz.

Glücklicherweise haben Juristen ein Herz für Tiere, die sich in akuter Lebensgefahr befinden.

Passanten müssen deshalb weder befürchten, sich wegen vorsätzlicher Sachbeschädigung strafbar gemacht zu haben, noch müssen sie zivilrechtlich den Schaden am Auto ersetzen. Dafür sorgt § 34 des Strafgesetzbuches, der als sogenannter Notstandsparagraf die Rechtswidrigkeit einer Handlung aus-
schließt, wenn diese dazu dient, eine gegenwärtige Gefahr für Leben, Leib, Freiheit, Ehre, Eigentum oder ein anderes Rechtsgut abzuwenden.

Voraussetzung ist aber, dass das Interesse des Autofahrers an der Nichteinschlagung der Scheibe angemessen beachtet wird.
Man darf daher nicht sofort losschlagen, sondern muss sich zunächst umsehen, ob sich der Fahrer irgendwo in der Nähe des Fahrzeuges aufhält und gegebenenfalls die Polizei rufen. Dies deshalb, weil grundsätzlich die Interessenabwägung zwischen der Gefährdung des Tieres und dem Eigenschutz den Polizeibeamten obliegt.
Nur, wenn die Gefahr für den Hund so groß ist, dass er während der Wartezeit verenden würde, darf die Scheibe vom Passanten eingeschlagen werden.

Wie verhält sich nun der Passant, um auf der sicheren Seite zu sein?

Steht das Fahrzeug beispielsweise vor einem Geschäft oder Hauseingang, muss man zumindest dort kurz nachfragen, ob sich der Fahrer des Wagens möglicherweise dort aufhält. Auch müsste man in der näheren Umgebung nach dem Fahrer suchen, sofern das Tier noch nicht in akuter Lebensgefahr ist. Danach sollte man zumindest per Handy die Polizei verständigen und auf die akute Gefahr hinweisen, damit die Einsatz-
streife möglichst rasch heranfährt.

Sollte man während der Wartezeit dann allerdings feststellen, dass die Gefahr eines Verendens des Hundes immer größer wird, sollte man zweckmäßigerweise andere Passanten als Zeugen hinzuziehen und zu-
nächst das Seitenfenster wählen, um den Schaden möglichst gering zu halten.

Nach der Befreiung des Hundes sollte man dem Tier Wasser anbieten, das allerdings nicht eiskalt sein darf.
Ist der Hund bereits bewusstlos, muss die Tierrettung informiert werden.
Bis zum Eintreffen der Tierrettung sollte das Tier möglichst in der Seitenlage gehalten und gekühlt werden. Feuchte Handtücher, sofern vorhanden, sind dabei hilfreich.

Tierhalter, die ihren Hund im Sommer im Auto warten lassen, handeln nicht nur im hohen Maße verant-
wortungslos, sondern müssen auch mit schwerwiegenden Konsequenzen rechnen. Fahrzeuge können sich schon innerhalb weniger Minuten auf über 70 Grad Celsius erhitzen. Diese Gefahr wird auch nicht dadurch gebannt, dass man einen Schattenparkplatz gefunden hat und die Fenster einen Schlitz offen lässt. Die Sonne wandert schnell, so dass ein zunächst im Schatten geparktes Fahrzeug rasch in der prallen Sonne steht.

Wer Hunde an warmen Tagen im Auto warten lässt, verstößt dabei gegen die Tierschutzhundeverordnung. Nach § 8 TierSchHuV muss man als Hundehalter nämlich für ausreichend Frischluft und angemessene Lufttemperaturen sorgen, wenn sich das Tier unbeaufsichtigt im Auto aufhalten soll. Bei sommerlichen Temperaturen und strahlendem Sonnenschein ist dies unmöglich, mit der Folge, dass man Hunde nicht im Auto warten lassen darf.

Verstößt man hiergegen, muss man sich wegen des Tatbestandes der Tierquälerei verantworten.

Die Konsequenzen der Tierquälerei sind im Tierschutzgesetz normiert. Danach kommt sowohl eine Straftat (§ 17 TierSchG) als auch eine Ordnungswidrigkeit (§ 18 TierSchG) in Betracht. Entscheidend dabei ist, ob der Hund vorsätzlich – also mit voller Absicht – oder „nur“ fahrlässig – also nur aus purer Unwissenheit oder Unterschätzung der Sonneneinstrahlung im Fahrzeug zurückgelassen wird.

Dem Tierhalter, der seinen Hund in der Sommerhitze im Auto lässt, drohen bei der Einordnung dieser Handlung als Straftat nach § 17 TierSchG eine Gefängnisstrafe von bis zu 3 Jahren oder eine am Ein-
kommen und nach Tagessätzen gestaffelte Geldstrafe.