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11.Mai 2017

Wer haftet für Frontscheibenschäden?

Von Fahrzeugen hochgeschleuderte Steine sind nicht nur ärgerlich, sondern können auch unangenehm teure Schäden verursachen.
Wenn ein Stein gegen die Frontscheibe oder Karosserie des Autos geschleudert wird, ist das Geräusch nahezu jedermann bekannt.
Wohl dem, der sich das Kennzeichen des vorausfahrenden Pkws oder Lkws aufschreiben kann.

Nun kann man sich nicht beruhigt zurücklegen und hoffen, dass die gegnerische Haftpflichtversicherung zahlt.
Zwar ist eine Haftung der Haftpflichtversicherung grundsätzlich zu bejahen, da der Schaden am Fahrzeug des Geschädigten gemäß § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Versicherungsvertragsgesetz (VVG) in Verbindung mit
§ 7 Abs. 1 Straßenverkehrsgesetz (StVG) beim Betrieb des vorausfahrenden Fahrzeuges entstanden ist.
Die Einwendung der gegnerischen Kfz-Haftpflichtversicherung, es habe sich um höhere Gewalt im Sinne des § 7 Abs. 2 StVG gehandelt und deshalb könne man nicht von einer Haftung ausgehen, ist nicht problematisch. Bei hochgeschleuderten Steinen liegt nach der Auffassung der Rechtsprechung keine höhere Gewalt vor.

Aber:
Die Haftung der Haftpflichtversicherung kann durch ein unabwendbares Ereignis gemäß § 17 Abs. 3 Satz 1, 2 StVG ausgeschlossen sein.
Darunter versteht man nicht die absolute Unvermeidbarkeit des Unfalles, sondern dass das Ereignis, das schließlich zum Schaden geführt hat, auch bei äußerster Sorgfalt nicht hätte abgewendet werden können.
In einem solchen Fall ist der Schädiger von Schäden freizustellen, wenn dieser auch bei vorsichtigster Fahrt nicht hätte vermieden werden können.

Nun muss man auf der Autobahn nicht mit herumliegenden Steinen rechnen. Auch ist die Gefährdung Dritter durch vorgeschleuderten Splitt nicht vorhersehbar. Aus diesem Grunde kommen Gerichte häufig zu dem Ergebnis, dass es sich bei dem Hochschleudern von Steinen um ein jeweils unabwendbares Ereignis handelt.

Dies ist natürlich gänzlich anders, wenn in einem Baustellenbereich Steine hochgeschleudert werden, die dann zu Schäden an der Windschutzscheibe oder aber an der Karosserie führen.

Wer im Baustellenbereich zu schnell fährt, muss damit rechnen, dass herumliegende Steine hochge-
schleudert werden können.
Folglich muss die Geschwindigkeit verringert werden.

Auf jeden Fall bleibt als Fazit:
Wohl dem, der über eine Teilkaskoversicherung verfügt. Diese ist dann auf jeden Fall verpflichtet, den Schaden zu begleichen.