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20.Oktober 2014

Ausbildungsunterhalt trotz Abbruch der Erstausbildung möglich

Wird eine Erstausbildung nach Ablauf der Hälfte der Ausbildungszeit abgebrochen, kann, je nach Lage des Einzelfalls, dennoch ein Anspruch auf Ausbildungsunterhalt für eine danach begonnene zweite Berufs-
ausbildung bestehen.

Dies hat das Oberlandesgericht Brandenburg im nachstehenden Fall entschieden.

Konkret hatte das Kind eine Ausbildung zur Kosmetikerin nach 18 Monaten Ausbildungszeit abgebrochen. Danach hat sie eine neue Ausbildung angefangen und verlangte entsprechenden Ausbildungsunterhalt.

Das Oberlandesgericht Brandenburg hat darauf hingewiesen, dass ein Wechsel der Ausbildung dann unter-
haltsrechtlich unbedenklich ist, wenn er auf sachlichen Gründen beruht und unter Berücksichtigung der Gesamtumstände aus der Sicht des Unterhaltspflichtigen wirtschaftlich zumutbar ist. Jungen Menschen ist zu zubilligen, dass sie sich über ihre Fähigkeiten irren oder falsche Vorstellungen über den gewählten Beruf haben. Daher ist ihnen eine Orientierungsphase zuzugestehen. Im Falle eines Studiums ist insoweit an-
erkannt, dass dann, wenn keine besonderen etwa in einem Fehlverhalten der Eltern liegenden Umstände gegeben sind, ein Studienwechsel ohne Einverständnis des Verpflichteten in der Regel nur bis zum 2. allenfalls 3. Semester in Frage kommt, keinesfalls mehr in der 2. Studienhälfte.

Im geschilderten Fall war der Abbruch der Ausbildung gerade nach Ablauf der Hälfte der Ausbildungszeit erfolgt und das Oberlandesgericht Brandenburg sah die Sache so, dass dann weiterhin der Ausbildungs-
unterhalt trotz Abbildung der Erstausbildung durch den Pflichtigen in Betracht kommt.