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02.August 2013

Ihre Rechte bei Reisemängeln

 

Jedes Jahr werden in Deutschland ca. 30 Millionen Pauschalreisen verkauft. Nicht immer ist der Reisende mit dem Ablauf der Reise zufrieden und wendet sich erst nach Urlaubsrückkehr an den Reiseveranstalter, um Minderungs- bzw. Schadenersatzansprüche geltend zu machen.

Aber:
Wer einen Reisemangel nicht vor Ort rügt und dokumentiert, kann nicht mit einer Entschädigung rechnen.

Deshalb gilt:

1.

Es bedarf einer Mängelanzeige vor Ort!
Es reicht nicht, allein Fotos zu machen und nach der Reise zum Anwalt zu gehen. Die Mängelanzeige und das Abhilfeverlangen müssen vor Ort gegenüber dem Reiseleiter oder dem Reiseveranstalter geschehen, da ansonsten Rechte verfallen.

Auf keinen Fall ist die Rezeption des Hotels Ansprechpartner.
Sollte ein Reiseleiter nicht greifbar sein, sollte gegenüber dem Reiseveranstalter nach Maßgabe eines Musterschreibens der Mangel beim Reiseveranstalter per Telefax angezeigt werden.

Dabei kann das vom ADAC entworfene Musterschreiben (http://www.adac.de/_mmm/pdf/Formular-Reisemangel-Anzeige-vor-Ort_30349.pdf) verwendet werden.

Verwendet der Reiseveranstalter bzw. die Reiseleitung eigenständige Formulare, so muss darauf geachtet werden, dass diese vollständig ausgefüllt und unterschrieben werden.

Dabei darf nicht vergessen werden, dass nicht nur die Mängelanzeige erfolgt, sondern auch eine Abhilfe unter Fristsetzung verlangt wird.
Ferner muss eine Abschrift der Mängelanzeige ausgehändigt werden, da diese Unterlage später benötigt wird.

2.

Ist der Urlauber aus seinem Urlaub zurückgekehrt, müssen seine Ansprüche beim Reiseveranstalter angemeldet werden.

Dazu hat der Urlauber lediglich eine Frist von einem Monat ab Reiseende. Danach können keine Ansprüche mehr geltend gemacht werden.

Die Mängel sollten daher aus Beweisgründen per Einschreiben und gegebenenfalls vorab per Fax geltend gemacht werden.

3.

Ansprüche des Urlaubers verjähren in 2 Jahren ab Reiseende.
Soll die Verjährung gehemmt werden, muss entweder Klage erhoben oder aber ein Antrag auf Erlass eines Mahnbescheides bei Gericht gestellt werden.

Unbedingt ist darauf zu achten, dass einige Reiseveranstalter in ihren allgemeinen Geschäftsbedingungen kürzere Verjährungsfristen vorsehen.

4.

Was wird häufig falsch gemacht?

  • Die Mangeldokumentation wird häufig nicht so konkret vorgenommen, wie dies zu Beweiszwecken erforderlich ist.
    Wird z. B. Baulärm moniert, muss im Einzelnen dargelegt werden, wo sich die Baustelle befand und an welchen Tagen gearbeitet wurde.
    Deutlich beschrieben werden muss auch, wie die Geräuschbelästigungen im Einzelnen waren und durch welche Geräte sie verursacht wurden. Zweckmäßig ist auch, dass dokumentiert wird, wie viele Maschinen im Einsatz waren und wie viele Personen diese bedienten.
  • Häufig wird auch vergessen, eine Reiserücktrittsversicherung abzuschließen. Eine solche muss spätestens 30 Tage vor Beginn der Reise abgeschlossen werden.

    Selbstbehalte sind häufig anzutreffen, sollten jedoch vermieden werden. Bei Eintritt des versicherten Risikos ist gegenüber dem Reiseveranstalter schriftlich der Rücktritt zu erklären und die Versicherungsgesellschaft zu benachrichtigen.
5.

Das Reisevertragsrecht führt nicht zu zusätzlichen Schadenersatzansprüchen für entgangene Urlaubs-
freude, wenn sich die Reisemängel nur als geringfügig erweisen und eine Minderungsquote von 50 % nicht erreicht wird.

Liegt höhere Gewalt vor, kann der Urlauber den Vertrag kündigen. In diesem Falle verliert der Reisever-
anstalter den Anspruch auf Bezahlung des Reisepreises.

6.

Auf keinen Fall sollte eine Urlaubsreise gebucht werden ohne Sicherungsschein. Nach Erhalt der Reise-
bestätigung sollte also gerade darauf besonders geachtet werden.

Auch führen Verträge mit Reiseveranstaltern fernab vom Wohnsitz des Urlaubers häufig zu Verdruss, da die gerichtliche Auseinandersetzung am Sitz des Reiseveranstalters vorgenommen werden muss.