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20.Juni 2013

Ferienjobs aus arbeits- und sozialrechtlicher Sicht

Die Sommerferien stehen bevor. In einigen Bundesländern haben sie schon begonnen. Auch die vorlesungsfreie Zeit an den Universitäten und Fachhochschulen beginnt in Kürze.

Viele Schüler wollen in den Ferien ihr Taschengeld aufbessern.
Doch, wie sehen die gesetzlichen Regelungen aus? Gibt es arbeits- und sozialrechtliche Fallstricke?

  1. Schüler und Kinder unter 13 Jahren dürfen nach dem Jugendarbeitsschutz überhaupt nicht arbeiten. 

  2. Wer zwischen 13 und 15 Jahren alt ist, darf unter Einhaltung strenger Regelungen arbeiten, sofern
    die Eltern als Erziehungsberechtigte zustimmen. Stimmen die Eltern zu, darf die tägliche Arbeitszeit
    2 Stunden nicht überschreiten. Die Arbeit selbst muss kindgerecht sein. Hierzu gehört das Zeitung-
    austragen, das Babysitten oder das Geben von Nachhilfestunden. Zwischen 18.00 Uhr abends und
    8.00 Uhr morgens sowie an Wochenenden darf nach Maßgabe des Jugendarbeitsschutzgesetzes überhaupt nicht gearbeitet werden. 

  3. Ab 15 Jahren dürfen Jugendliche bis zu 40 Wochenstunden bei einer 5-Tage-Woche arbeiten. Die
    Arbeit muss allerdings insgesamt auf 4 Wochen im Kalenderjahr beschränkt werden. Die Arbeit kann entweder auf verschiedene Ferien verteilt werden oder am Stück, z. B. in den großen Ferien, ausgeführt werden. Tätigkeiten an Wochenenden und Feiertagen sind verboten. Arbeiten zwischen 6.00 Uhr morgens und 20.00 Uhr abends sind erlaubt. Zwischen etwaigen Schichten müssen jedoch mindestens 12 Stunden liegen. 

  4. Volljährige Schüler und Studenten unterstehen dem Jugendarbeitsschutz nicht mehr, so dass sie im Rahmen der allgemeinen Arbeitsschutzgesetze jederzeit, auch neben der Schule/Uni, eine Beschäfti-
    gung aufnehmen können. 

  5. Nicht volljährige Schüler und Studenten dürfen ganz allgemein keine Tätigkeiten übernehmen, bei denen sittliche oder andere Gefahren drohen. Gefährliche Jobs sind daher generell tabu. Akkordtätigkeiten oder Tätigkeiten in medizinischen Einrichtungen mit Infektionsgefahren sind ebenfalls ausgeschlossen.

Neben den Besonderheiten des Jugendarbeitsschutzgesetzes sind die sozialversicherungsrechtlichen Bestimmungen zu beachten.

Schüler und Studenten sind kranken-, pflege- und rentenversicherungsfrei, wenn die Beschäftigung innerhalb eines Kalenderjahres seit ihrem Beginn auf nicht mehr als 2 Monate oder 50 Arbeitstage befristet ist.
Arbeiten Studenten in der Vorlesungszeit, ist die Zahl der zulässigen Wochenarbeitsstunden auf 20 begrenzt.

Zu empfehlen ist immer der Abschluss eines schriftlichen Arbeitsvertrages.

Bedeutsam ist für Arbeitgeber, vor Einstellung zu erfragen, ob gegebenenfalls zuvor schon andere Aushilfs-
jobs neben der Schule oder universitären Ausbildung ausgeübt wurden.
Wir empfehlen dazu einen Personalfragebogen bei Einstellung unterzeichnen zu lassen, der diesen Aspekt mit berücksichtigt. Dies deshalb, weil Vorbeschäftigungen ab Beginn des Kalenderjahres wie bei allen Arbeitnehmern auch zusammenzurechnen sind, wenn jeweils die Merkmale einer kurzfristigen Beschäfti-
gung erfüllt sind.

Wichtig:
Eine Zusammenrechnung des Ferienjobs mit einer geringfügigen Dauerbeschäftigung ist dagegen nicht vorgesehen.

Schüler mit Vorbeschäftigung im Rahmen eines Minijobs mit einem Entgelt von bis zu EUR 450,00 können daher zusammenrechnungsfrei beschäftigt werden.

Aber: Für Studenten, die BAföG bekommen, lohnt sich das Aufstocken eines Minijobs von EUR 400,00 auf EUR 450,00 nicht. Dann droht nämlich die Kürzung der staatlichen Förderung.

Schüler sind im Übrigen zur Arbeitslosenversicherung generell versicherungsfrei. In der Unfallversicherung besteht kostenfreier Versicherungsschutz. Dieser gilt auch während eines Ferienjobs. Der Versicherungs-
schutz umfasst auch den Weg von und zur Arbeitsstätte.

Zu beachten ist allerdings, dass zwischen Schulentlassung und einer späteren Beschäftigung der Arbeit-
nehmer nicht mehr als Schüler gilt. Solche Beschäftigungen gelten stets als versicherungspflichtig in der Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung, soweit das Entgelt EUR 450,00 übersteigt.

Arbeitgeber sollten sich daher eine aktuelle Schulbescheinigung vorlegen lassen, damit die Schüler-
eigenschaft nachgewiesen wird.