Aktualität ist ein überaus wichtiges "Gut" unserer Zeit, deswegen erhalten Sie hier kontinuierlich Neuigkeiten aus unserer Kanzlei sowie zu neuen Rechtsbeschlüssen.

22.Mai 2013

Besteht ein Umtauschrecht bei gekauften Kleidungsstücken ohne Kassenbon?

1.
Onlineshopping ist bequem und rechtlich einfach.
Weil man die bestellte Ware vor dem Kauf nicht prüfen kann, hat das Gesetz im Versandhandel ein
14-tägiges Rückgaberecht festgeschrieben. Die Frist beginnt mit Erhalt der Ware. Ausgeschlossen sind nur einige Produktgruppen wie entsiegelte Datenträger (CDs, DVDs), Sonderanfertigungen und frische Lebensmittel.

Gilt dies etwa auch bei einem Einkaufsbummel im örtlichen Kaufhaus?
Leider nein – Kaufreue führt zu keinem gesetzlichen Umtauschrecht, wenn die Ware nicht gefällt. Trotz dieser Rechtslage ist der Handel häufig kulant, indem es heißt: Mit Kassenbon tauschen wir die Ware gegen Gutschrift oder Erstattung des Kaufpreises um. Hier muss der Verbraucher klarstellen, wie die Umtauschgarantie im Einzelnen ausgestaltet sein soll. Gibt es nur eine Gutschrift, dann kann der Kunde sein Geld nicht zurückverlangen.

Anders sieht es aus, wenn die gekaufte Ware Mängel aufweist. In einem solchen Fall ist man nicht auf die Kulanz des Händlers angewiesen. Der Händler muss den Mangel beseitigen und etwaige Transportkosten des Kunden tragen.
Gleiches gilt, wenn die Ware nicht den zuvor angepriesenen Eigenschaften entspricht. Der Kunde hat sodann einen Nacherfüllungsanspruch und weiter einen Rücktrittsanspruch, sofern zwei Reparaturversuche misslingen.

Das Gesetz schreibt bei neuer Ware eine 2-jährige Gewährleistungspflicht vor.
Der Käufer hat also im Mangelfall ausreichend Zeit, um zu reklamieren.
Da Mängel auch durch unsachgemäßen Gebrauch entstehen können, befindet sich ein Käufer bei seiner Reklamation nur dann auf der sicheren Seite, wenn diese innerhalb von 6 Monaten nach dem Kauf erfolgt. Danach hat der Kunde das Recht zur Nacherfüllung nur dann, wenn er nachweist, dass die erhaltene Ware schon beim Kauf nicht einwandfrei war. Kauft der Kunde indes eine gebrauchte Ware, verkürzt sich sein Gewährleistungsanspruch auf 12 Monate. Vereinbaren Kunde und Händler eine selbstständige Garantie, so hat der Kunde während der Garantiezeit zweifellos die besseren Karten. Er kann entweder die kostenlose Reparatur oder aber einen Warenaustausch verlangen.

Die Möglichkeit des Abschlusses eines selbstständigen Garantievertrages sollte allerdings nicht erkauft werden, da in solchen Fällen teure Versicherungsbeiträge zusätzlich kalkuliert werden.

2.
Häufig steht man vor dem Problem, dass man zwar weiß, eine Ware bei einem bestimmten Händler gekauft zu haben, dieser allerdings einen Kassenbon sehen möchte, um aus dem darauf vermerkten Kaufdatum erkennen zu können, ob überhaupt noch ein Gewährleistungsfall vorliegt oder nicht.
Kann der Kunde allerdings durch Zeugenaussagen anderweitig beweisen, dass die mangelhafte Ware tatsächlich beim Händler zu einem bestimmten Datum gekauft wurde, so kann der Kunde nicht mit dem Bemerken abgewiesen werden, es liege kein Kassenbon vor. Führen zwei Nachbesserungsversuche nicht zur Mängelbeseitigung, kann der Kunde zurücktreten, muss sich allerdings den Vorteil der bereits gehabten Nutzung der Ware gegenrechnen lassen. Der Händler muss im Falle des Rücktrittes dann nicht den vollen Kaufpreis zurückerstatten.