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14.November 2012

Nottestament

Was ist bei der Errichtung eines Nottestamentes zu beachten?



Nur ein Drittel der Bundesbürger haben zu Lebzeiten überhaupt ein Testament errichtet.

Was ist von Angehörigen zu tun, wenn ein in akuter Todesgefahr Betroffener im Krankenhaus liegt und trotz noch vorhandener Testierfähigkeit nicht mehr in der Lage ist, seinen letzten Willen aufzuschreiben?

  1. Grundsätzlich gilt, dass zunächst versucht werden muss, einen Notar zwecks Aufnahme eines öffentlichen Testamentes zu erreichen.

    Was gilt jedoch, wenn ein Notar beispielsweise an Wochenenden nicht erreichbar ist und die Gefahr des alsbaldigen Todes ständig wächst oder aber der Betroffene druch komatische Zustände testierunfähig wird?

  2. In solchen Fällen kann gemäß § 2249 BGB ein Nottestament vor dem Bürgermeister oder seinem Stellvertreter errichtet werden.

    Aber was ist, wenn auch der Bürgermeister oder sein Stellvertreter nicht zu erreichen ist?

  3. Hier hilf nur noch das Drei-Zeugen-Testament gemäß § 2250 Abs. 2 BGB.
    Hier sind allerdings folgende strenge Voraussetzungen zu beachten:

  

    - Die Erreichtung durch einen Notar bzw. durch den Bürgermeister/Stellvertreter durfte nicht möglich oder
      außerordentlich erschwert sein.
    - Es muss eine nahe bzw. akute Todesgefahr oder die Gefahr des Eintritts der Testierunfähigkeit gegeben
      sein.
      Hier ist die Einholung eines ärztlichen Attestes zu empfehlen, wenngleich es ausreichend ist, dass drei
      Zeugen dies als subjektives Empfinden bestätigen und schriftlich niederlegen;
    - die Erklärung des letzten Willens muss mündlich vor drei volljährigen  Zeugen erfolgen;
    - die drei Zeugen müssen ein Protokoll über die Erklärung des 
      Betroffenen aufnehmen, dieses dem Betroffenen vorlesen und zusätzlich vor Unterschrift vermerken,
      dass der Betroffene selbst nicht unterschreiben konnte.
      Bei Nichtvorliegen einer dieser Voraussetzungen ist das Testament ungültig und kann keine Wirksamkeit entfalten.
        Sollte sich später die Todesgefahr nicht realisieren, verliert das Nottestament ohnehin drei Monate nach seiner Errichtung seine Wirksamkeit.
        Die Frist beginnt allerdings erst dann zu laufen, wenn der Erblasser wieder in der Lage ist, ein (notarielles) Testament zu errichten.